Im Zuge des heutigen Schulstart in den östlichen Bundesländern fordern die Wiener Grünen einen Schulbeginn um 9 Uhr. Viele ExpertInnen bestätigen, dass für junge Menschen der Schulstart um 9 Uhr und damit eine andere Schlafphase günstiger wäre. Auch der Arbeitstag der meisten Eltern beginnt um 9Uhr anstatt um 8Uhr in der Früh.
Allerdings ist die Forderung nach einem Schulbeginn um 9Uhr nicht die einzige wichtige Maßnahme. Wir wünschen uns eine Schule die nicht am strengen und völlig veraltetem 50 Minuten Konzept festhält sondern individuell auf die Bedürfnisse der SchülerInnen eingeht. So kann mit unterschiedlichen Lern- und Erholungsphasen, die sich einem Projekt anstatt einem Frontalunterricht widmen, viel mehr erreicht werden.
In einer innovativen Schule, die allen offen stehen soll, muss es eine ganztägige Betreuung als Angebot geben und alle Pflichten der SchülerInnen sollten dort erledigt werden. Nach dem täglichen Verlassen der Schule soll Lernen, Hausübungen und sonstige Tätigkeiten für die Schule in der Freizeit keine Rolle mehr spielen. Nur so kann Freizeit auch wirklich Freizeit sein. Bei durchschnittlichen Belastungen der SchülerInnen in den höheren Schulen bis zu 60 Wochenstunden ist dies auch mehr als notwendig. Wir fordern maximal 35 Wochenstunden für SchülerInnen, danach muss Zeit für sich selbst vorhanden sein!
Auf diese Forderungen machen wir nach dem heutigen Auftakt vor meiner ehemaligen Schule, welche ich praktischer weise nicht mehr jeden Tag um 8h in der Früh besuchen muss, auch in anderen Bezirken vor Schulen aufmerksam. Wir verteilen Flyer mit unseren Forderungen und Kulis mit der Aufdruck „9h ist früh genug!“.
Hier ein Foto von der heutigen Aktion:

Schulbeginn: 9h ist früh genug!
Neben dieser punktuellen Aktion gibt es natürlich noch viel weitgehendere Forderungen der Wiener Grünen zum völlig veralteten und schülerInnenfeindlichen Schulsystem. Das schulpolitische Programm aus dem Jahr 2005 wird gerade von mir überarbeitet und nach internen Diskussionen auch veröffentlicht. Wer Vorschläge zum Programm hat kann mich gerne kontaktieren. Hier findet sich der Link zum Programm aus 2005:

4 comments
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7. September 2009 um 18:14
Sebastian
Ich bin skeptisch. Beginnen Arbeitstage tatsächlich meistens um 9 Uhr? Wie schaut das aus, wenn man die Zeit dazu rechnet, die man braucht, um zum Arbeitsplatz zu kommen?
Vor allem aber: Was ist der Vorteil? Das mit dem Schlaf ist ja so eine Sache. Das Aufstehen wird um nichts leichter sein, weil die Schüler/innen einfach am Abend länger aufbleiben werden. Ich bezweifle ja stark, dass es einen Unterschied macht, ob man eine Stunde früher oder später schlafen geht und aufsteht. (Wenn Expert/innen was anderes sagen, bin ich offen für die Info. Aber ich kanns mir nicht gut vorstellen.)
7. September 2009 um 19:21
florianrabenstein
Hallo Sebastian,
danke für deinen Comment. Ich denke, dass die meisten Arbeitstage circa um 9.00h starten, natürlich gibt es Abweichungen aber die meisten Arbeitszeiten sind doch im Zeitraum von 9-17h angesiedelt.
Es geht auf jeden Fall darum auf die Bedürfnisse der SchülerInnen einzugehen. Hier sagen die meisten ExpertInnen, dass ein Schulbeginn um 9h viel eher dem Biorhythmus eines Jugendlichen entspricht als um 8h in der Schule zu sein. Wir fordern die Einführung ab 9h ja für alle ab 10 Jahren und nehmen die Volksschule davon aus.
Wichtig ist neben den Bedürfnissen der SchülerInnen auch die Anpassung an den Zeitplan eines durchschnittlichen Erziehungsberechtigten. Dieser muss in den meisten Fällen um 9h im Büro sein und kommt durchaus in Probleme wenn er/sie alles Planen muss um ein Kind/Jugendlichen um 8h in der Schule zu haben.
Denke also es sprechen einige Aspekte für einen späteren Schulstart, unter anderem der durchwegs positive Response der SchülerInnen bei unserer heutigen Aktion bestätigt mich in dieser Hinsicht.
Falls du noch weitere, genauere Infos zu den Schlafforschungen haben willst kann ich dir diese gerne zusenden!
7. Oktober 2009 um 05:48
Armin Soyka
Mich würden die genaueren Infos sehr interessieren! Mich wundert das. Ich habe für mich ausprobiert, ob es einen Unterschied (für mich) macht ob ich um 2 Schlafen gehe und um 9.30 aufstehe oder um 12 und um halb acht, um halb 10 und mich dafür um 5 aus dem Bett bewege. Mein Ergebnis: Ja macht es, zwischen 5 und 7 bin ich produktiver als zwischen 10 und 12. Habe also ganz umgekehrte Erfahrungen gemacht.
Dass du mit der Forderung die Schule um 9h beginnen zu lassen auf positiven Nachhall der SchülerInnen stößt ist wenig verwunderlich. Ob das weit gedacht war von ihnen kann man bezweifeln. Logisch scheint mir, dass wenn die Schule um 9 beginnt eben nicht um 10/11/12/1 ins Bett gegangen wird sondern eine Stunde später… Aber wenn du dazu Unterlagen hast, würd’ ich mich drüber freuen – man lernt ja nie aus
Was ich glaube was viel wichtiger wäre, wäre Schulen autonomer und felxibler zu gestalten (was du ja eh ansprichst). Außerdem müsste man dringend die Schülerinnen und Schüler und ihre Fähigkeiten, Interessen und Begabungen in den Vordergrund stellen. Meine Ideen dazu habe ich hier („9h Schule?“ – http://www.arminsoyka.at/blog/?p=180) zusammengeschrieben.
7. Oktober 2009 um 10:55
florianrabenstein
Hey Armin,
danke für deinen Comment. Kann deiner Forderung nach einer umfassenden Reform des Schulsystems nur zustimmen. Ein kleiner Part auf den wir als Einzelforderung aufmerksam machen wollten ist ein späterer Schulbeginn. Dies entspricht meiner Meinung nach auch der Forderung die Wünsche und Bedürfnisse von SchülerInnen in den Mittelpunkt des Systems zu stellen und diese nicht zu ignorieren, so wie es heute der Fall ist.
Kann auch deinen Ausführungen auf deinem Blog zum Schulsystem hier ausdrücklich zustimmen.
Der biologisch-wissenschaftliche Hintergrund der Forderung ist hier mal ganz OK zusammengefasst. Gibt die Studie sicher auch in einer ausführlichen Langform, muss aber gestehen mir nicht die ganze Studie angesehen zu haben.
http://sciencev1.orf.at/science/news/131542
Also vielleicht bringt der Artikel mal ein wenig Aufklärung in Fragen der Schlafforschung.